| Rieselfeld Großbeeren |
| Geschrieben von Bernhard Husch | |
| Sonntag, 10. April 2011 | |
Rieselfeld Großbeeren
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auf Betreiben des Ingenieurs James Hobrecht und des Arztes Rudolph Virchow zur Verbesserung der Hygiene in der wachsenden Industriestadt Berlin radiale Kanalsysteme zur Abführung der Abwässer an die Peripherie der Großstadt gebaut. Interessante andere Beiträge:
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Bis zu dem Zeitpunkt, wo man beschloss, dieses System zu bauen, wurden die Abwässer einfach in der Stadt verrieselt. Sie sorgten damit für mitunter fürchterlichen Gestank und die Gefahr der Ausbreitung von Epidemien. Mit der zunehmenden Industrialisierung wurden vermehrt auch industrielle Abwässer anfällig; diese und die Abwässer aus den Haushalten sorgten auch für eine Verunreinigung des Grundwassers, brachten also eine weitere Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung mit sich.
Gusseinernes Rohrstück
In den städtischen radialen Kanalsystemen wurden die Abwässer gesammelt und zu Pumpwerken geleitet, von wo sie nun durch gusseiserne Rohrleitungen mit hohem Druck vor die Tore der Stadt Berlin geleitet wurden. Zeitgleich mit dem Entwurf des Entwässerungssystems kaufte die Stadt Berlin in ihrem Umland ehemalige Rittergüter und Ländereien auf, deren Anbauflächen nach dem genialen von Hobrecht in Flächen zur Verrieselung der Abwässer umgebaut werden sollten. Auf den "Rieselfeldern" konnte man nun wieder Landwirtschaft ansiedeln, denn die verrieselten Abwässer waren sehr nährstoffreich und ersparten somit die Düngung der Felder. Gleichzeitig konnte man eine gewisse Anzahl neuer Arbeitsplätze schaffen, denn die Felder mussten bestellt werden und die Technik des Abwassersystems musste gewartet und bedient werden.
An den südlichen Randbezirken Berlins lassen sich noch Spuren dieser genialen Technik auffinden. Eines dieser Industriedenkmäler stellt das ehemalige Rieselfeld Großbeeren dar.
Ein Blick auf das Satellitenbild lässt die Strukturierung des Geländes durch ein Kanalsystem, in das die Abwässer zur Flutung der Felder eingeleitet wurden, erahnen. Die landwirtschaftliche Nutzung bestand vornehmlich im Obstbau und Gemüseanbau. Der Autor dieses Artikels kann sich noch gut erinnern, dass noch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts Gemüse von den Rieselfeldern bei den Berliner Gemüsehändlern angeboten wurde. Man konnte die Herkunft dieses Gemüses noch an dem leichten Geruch nach Fäkalien erkennen - folglich mussten die Feldfrüchte vor dem Verzehr immer besonders gut gewaschen werden. Das Rieselfeld Großbeeren wurde nach Auskunft einer Informationstafel auf dem Gelände nahe dem Standrohr - dem Erkennungsmerkmal eines Rieselfeldes - noch bis ca. 1986 mit Abwässern beschickt. Man hatte schon nach dem 2. Weltkrieg aufgrund der zunehmenden Belastung der Industrieabwässer mit toxischen Schadstoffen die landwirtschaftliche Nutzung nach und nach umgestellt auf Getreide- und Futtermittelanbau. Spätestens dann wurde aber klar, dass die Nutzung für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln nicht mehr verantwortbar war.
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| Letzte Aktualisierung ( Freitag, 23. Dezember 2011 ) |
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